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Wochenwerke

Bild und Zeit

Eva zu den Wochenwerken #1:

In der ersten Woche ging es mir darum, die Entstehung des Lebens voranzubringen. Ich habe einmal in einem alten Buch gelesen, dieses Projekt könne in einer Woche abgeschlossen werden.


​Was ist ein Wochenwerk? Genesis: Welt. Ein bestimmtes Projekt also.

Die "Wochenwerke" behandeln zwei durchaus verwandte Themen: Bild und Zeit, und verweisen darauf, dass das Bild der bildenden Kunst in der menschlichen und sozialen Praxis über Zeiträume gebildet wird.

Doch damit erschöpft sich das Zeitliche des Bildes nicht. Denn dieses selbst beansprucht, widerständig zu sein, indem es sich selbst als Ganzes, als Abgeschlossenes in jedem Moment zeigt gegenüber dem sich in der Zeit entfaltenden Tun seiner zeigenden Schöpferin. Eva entscheidet, wann das Bild abgeschlossen ist und setzt einen Cut. Doch das Bild hat Stärke.

Eine Skizze fließt nur dank ihrer Auffassung als Skizze zu ihrer Verwirklichung im Gemälde.

Mit den "Wochenwerken" wird aber die Frage gesellt, wie viel Realität jedes Ding - das heißt jedes Bild - besitzt. Und so ist das Bild nicht mit dem Absetzen des Stiftes (oder Pinsels) vollendet, sondern der Schaffensprozess setzt sich durch seine Benennung fort, wobei die Zyklen der "Wochenwerke" das Zeitliche andeuten und die einzelnen plastischen Bildtitel das Zerfasern in die Abstraktion - gehalten von Evas eigenen mentalen Repräsentationen einer festen Welt. Der Prozess setzt sich so in die Stärke des Bildes hinein fort, die durch dessen Affordanz (frei nach Bruno Latour) darin besteht, dem Menschen anzubieten, sich mit ihm als Realität zu befassen.

Es geht also um Bewegung und Stillstand, Vollendung und Prozess. Letztendlich werden damit Fragen berührt wie: Wann ist ein Bild ein Bild? Wann ist ein Mensch ein Mensch?

Wie schon bei den "Konstruktionen" fragen dabei auch die Bilder der "Wochenwerke": Was ist Natur als Bildrealität - als Referent, als plastisches Dasein und als unleugbare Praxis? Hier wird eine Kreisbewegung problematisiert, in der der in der Alltäglichkeit angesiedelte menschliche Lebensvollzug trotz der Bewegung einer Person über Zeiträume hinweg stets auf das Statische und Unüberwindliche moderner Gesellschaften trifft. Will der Mensch deren Mauern bezwingen, wird er am Ende mit der Macht des Symbolischen konfrontiert und mit einer zweiten Natur, die immer wieder zur Versuchung führt, Jetztzustände stillschweigend zu akzeptieren.

Entfremdung stellt sich ein. Und diese ist ultimativ das Gefühl, in der Totalen der Welt gefangen zu sein und doch nicht dazuzugehören, weil ihre Substanz nur (noch) durch Repräsentionen, das heißt durch Zeichen vermittelt scheint. Man bedient diese in den allgegenwärtigen Medienwelten und hat keinen Zugriff auf jene Welt.

Auch die "Wochenwerke" wollen dieses Problem lösen. Zeitlichkeit als erste Realität ist der Referent, indem das Bild auf sich selbst und auf die anderen Bilder verweist, die in einem durchaus menschlichen Prozess praktischer Anstrengung entstanden sind.

Eva will und kann diesen Prozess nicht leugnen. Die "Wochenwerke" stehen für ein Tauziehen zwischen Form und Substanz. Es kann zwar nicht gewonnen werden. Denn kommt einmal der Gedanke "Wasser und Fluss", lässt die Setzung der Pigmente zerfließen, was einmal ein Ausdruck der Erfahrung eines erlebten Zeichens war.

Aber das Zeiterleben, der Kampf um die Macht über Bewegung und Stillstand - dies ist die ureigene Substanz, die sich die "Wochenwerke" nicht nehmen lassen werden.

Jeder neue Tag ist der alte geblieben. Die Falten in Gesichtern strafen aber den Stillstand Lügen. Diese Grunderfahrung von Abgeschlossenheit und Prozess sträubt sich gegen jede Referenzlosigkeit.

Und so sind das Grün und Blau in Evas Bildern nicht einfach abstrakte "Natur" oder "Fluss", sondern immer Begrünen und Ergießen. Efeu klettert an Betonwänden empor. Balkone sind Sprungbretter in grüne Meere.

"Schau durch das Fenster und siehe, was wir geschaffen haben."

Damit stehen die "Wochenwerke" für ein Erleben von Leben. Zeitfluss ist dabei keine Bedrohung des Lebens, sondern der erste Zugang zur Realität.

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